Buber und Freunde


Buber , Martin
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Muth, Cornelia
Zwischen Gut und Böse

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Montag, 19. März 2007

vor Teil III - 18. und letzter Abschnitt

Eigentlich ist es gar nicht so starker Toback. Aber es ist wirklich viel. Deshalb schaffe ich es heute nicht mehr, etwas zu Abschnitt 18 insgesamt zu schreiben. Wer von Euch fängt vielleicht mal an. Ich hab den Abschnitt jetzt mehrmals gelesen und würde wahrscheinlich als Titel wählen: Gott ist seinen Gestalten nah.

Samstag, 17. März 2007

Teil III – Abschnitt 17 – Das Ewige und seine Offenbarung

Der erste Satz stellt nicht die Frage dar, ob etwa das ewige das sei, was wir Offenbarung nennen. Vielmehr ist Buber, so wie ich das verstehe, darüber sicher, dass das ewige das ist, was als Urphänomen hinter der „Offenbarung“ steckt. Die Offenbarung sei der Teil des Ewigen, der sich im Hier und Jetzt gegenwärtige. Die Frage bezieht sich also mehr darauf, was nun die Offenbarung, also das für uns begreifbare des Ewigen sei.

Dass der Mensch aus dem Moment der höchsten Begegnung nicht als der gleiche hervorgeht, scheint mir noch nicht die Offenbarung schlecht hin zu sein, sondern wiederum ein Teil der Wirkung. Was ist die höchste Begegnung ? Man hätte vielleicht sagen können „tiefste“ B. – aber im gleichen Sinne passt hier „höchste“ viel besser. Jedenfalls ist absolut nicht die „innigste“ gemeint – sondern eher die „zwischenste.“ Aber auch nicht die Begegnung „mit“ dem Höchste, sondern die Begegnung schlechthin, die in ihrer höchsten, unvorstellbaren Form.

Das der Moment der Begegnung kein Erlebnis und keine Erfahrung im ist, zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch. „Es muss ein Rrruck ...“ fällt mir an dieser Stelle ein. Es muss etwas mit mir, mit Dir, mit uns und Euch „passieren.“ Passieren ist aber schon wieder das falsche Wort, da es nicht wirklich etwas mit erleiden zu tun hat. Es geht mehr darum, sich ganz rein zu begeben, zur Verfügung zu stellen, bereit zu sein für alles, was dann „zwischen“ denen, die mit in der Wirklichkeit sind, zur Wirkung kommen kann. Und das kann dann als ein Hauch der Sekunde und der Ewigkeit oder als ein Ringkampf (Jakob und der Mann) zu spüren sein. Interessanter Hinweis an Deutschland: der Ruck kommt also weniger vom sich „Zusammenreissen,“ sondern eher vom sich zur Verfügung stellen und ganz da sein. Der Ruck – und das ist wohl klar - kann jedenfalls nicht für den oder bei dem kommen, der vorm Fernseher sitzt.

Haben wir aus der reinen Beziehung heraustretend nun etwas, was vorher nicht da war ? Das steht da nicht. Aber wir wussten davon nicht und können nicht sagen, wo es herkommt. Das ist ressourcenökonomisch toll. Es werden „hidden assets“ aufgedeckt, etwas was doch schon da war, aber nie zu Tage getreten wäre ohne den Moment der Begegnung. Wir hätten es weder suchen noch finden können – es ist aber doch plötzlich am Tageslicht. Müssen wir überhaupt aus der Beziehung treten ? Na, davon war ja auch schon oft die Rede – es handelt sich um Momente – ein Blick in die Ewigkeit von äußerster Vergänglichkeit.

Wer aber doch den Standort der hidden assets aufklären möchte, etwa um gleich mal an alle ran zu kommen, auch ohne den Moment der Begegnung, und wird dazu die Wissenschaft, etwa die Psychologie, bemüht, kommt doch nur bei Es-förmigen Einordnungen an. Weit von dem, worum es Buber geht – für ihn ist also diese Wissenschaft weit von der „wirklichen Betrachtung des Wirklichen.“ Das ist sicher ein Punkt, der auch für die Wissenschaften einschließlich der Psychologie ansatzweise nachvollziehbar ist – die menschliche Selbstbetrachtung, insbesondere solche Phänomene wie Denken und Seele, hat ihre Grenzen. Wir können diese Grenzen zwar immer weiter ausdehnen. Die Hirnforschung hat ja auch in den letzten Jahrzehnten spannende Erfolge gezeitigt. Zumindest die Physik der letzten Jahrzehnte, aber da konvergieren die Wissenschaften wohl, ist sich ihrer Grenzen, oder jedenfalls der Grenzen des linearen Denkens durchaus bewusst.

Wir empfangen, was wir zuvor nicht hatten. Das ist spannend, denn es stellt die Materialisierung aus dem Immateriellen dar. Wir sehen etwas, was aus der Welt des Du in die Welt des Es wächst. Wir haben es, wenn wir aus der Begegnung heraustreten. Und: es ist und gegeben worden, wir haben es empfangen. Empfangen vielleicht also eine typisches Ergebnis der Begegnung. Haben, kriegen und nehmen können wir vielleicht auch ohne, empfangen aber nicht ?! „Harren“ als Teil der Begegnung oder als Vorbereitung auf sie. „Eintauschen“ wohl als der Vorgang wie aus „harren“ „empfangen“ wird. Das Nietzsche-Wort ist für mich etwas fremd in diesem Zusammenhang, Buber scheint es aber als seins verstanden zu haben.

Was empfangen wir: die Kraft. Eine Gegenwart als Kraft, die sich in drei Facetten äußert:
- in sinnstiftender Gegenseitigkeit;
- in der Aufhebung der Sinnfrage;
- aber im fraglosen Sinn unseres ganzen, wirklichen Lebens in der Welt, in der wir leben.

Und dabei gibt es kein sollen, müssen oder andere Pflicht- und Regelhaftigkeit. Die Bewährung des Sinns, der durch mich hindurch in die Welt geboren wird, ist das Ergebnis der persönlichen Begegnung, das was hinübergerettet bzw. empfangen wird. Dass Moses die Tafeln mitbringt ist Teil seines Wirkens, Teil dessen, was er empfangen hat und in die Welt trägt. Die „Begegnung“ mit den Tafeln, die Vorhaltung für die Zurückgebliebenen, ist gerade nicht die Begegnung im Buber’schen Sinne – das ist sehr offensichtlich in der Geschichte von Moses. Aber auch den Zurückgebliebenen ist noch die Begegnung möglich – z.B. wenn sie „harren,“ wenn sie sich bereit machen für die Begegnung und ihre wirkliche Verbundenheit wahrnehmen können.

Mit der Begegnung haben wir das Geheimnis gesehen, erkannt. Aber es bleibt Geheimnis. Das Gesicht sehen wir doch nicht ...
Kleiner Scherz: Erlösung ist auch keine Lösung. Das finde ich aber beruhigend. Erlösung gibt es doch: sie liegt in der Begegnung, im Augenblick der Verbundenheit mit der Ewigkeit und dem Geheimnis. Eine Lösung ist das aber nicht – schon deswegen nicht, weil die Lösung ja drohte, die Verbundenheit aufzuheben.

... nichts weiter.

Dienstag, 13. März 2007

Teil III - Abschnitt 16 - Woolman der religiöse Mensch ?

Ich weiss nicht, ob mir Abschnitt 16 unzugänglich ist, oder ich zu unruhig bin um ihn richtig zu lesen - oder ob er vielleicht einfach nicht viel Neues enthält.

Anscheinend setzt sich Buber mit östlichen Religionsformen seiner Vergangenheit auseinander. Jedenfalls scheinen mir seine Beschreibungen, wie „man“ vom „religiösen Menschen“ spreche, nicht einmal auf den christlichen Mensch bezogen so benutzt zu werden.

„Sozial“ will er aber offenbar sagen, ist für ihn das, was sich auf die Gemeinschaft bezieht, die sich aus Beziehung (Verbundenheit) aufbaut, während im modernen Alltag eine Gleichsetzung mit massenhaft auftretenden, aber beziehungslosen Mensch-Einheiten vorgenommen würde.

Dann geht es weiter: eine Zweiteilung des Lebens, einerseits in eine wirkliche Beziehung zu Gott und andererseits ein ES-Verhältnis zur besessenen Welt sei nicht möglich. Wer die Welt besitzt, benützt, könne Gott nicht anders, also gar nicht kennen, sei gottlos und keinesfalls „der religiöse Mensch.“ Allerdings setzt Buber dieses Welt-und-Gottes-Verhältnis wohl nicht gleich mit dem eher fernöstlichen Bild oben. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er hier nicht doch ein oder zwei Popanze aufbaut, um auf sie besser einschlagen zu können.

Auch nach diesem aufgebauten Bild (dem ersteren), was nun von Buber weiterverfolgt wird, habe der Mensch in der Welt das seine zu tun, wenn auch ohne die Spannung zwischen sein und sollen, ohne eigenes wollen. Daraus ergäbe sich eine Unverbindlichkeit und die Nichtigkeit allen Tuns. Es bedeute sich darüber zutäuschen, Gott habe sein Welt zum Schein und den Menschen zum Taumel geschaffen – das heißt das, glaube ich, nicht unbedingt.

Die wahre Religiosität läge hingegen im Akt des vor das Angesicht treten. Nicht die Spannung zwischen sein und sollen, sondern die zwischen Welt und Gott verschwinde. Verantwortung für alles bleibt als Welteinbezogenheit im Angesicht Gottes bestehen, abersittliches urteilen entfällt. Es bleibt auch bis zum Tod immer wieder die Notwendigkeit sich zu entscheiden - Buber sagt, zum rechten Tun; ich würde sagen, vor allem immer wieder zum Du und immer wieder weg vom Es. Das ist eine Entscheidung. Das Tun, das daraus folgt, gehört dann zur Schöpfung.

Dieses Tun wächst an der Welt, wie wenn es Nichttun wäre. Damit sind wir wieder bei den östlichen Weisheiten. Andererseits sind wir vielleicht bei einem Maßstab für John Woolmans Bemühungen gegen die Sklaverei, Kriegssteuer, Menschenrechtsverletzungen und ökonomische Ungerechtigkeit. Legte sich Woolman der Welt auf ? Oft sicher ja. Insgesamt wuchs er wohl an der Welt, wie diese an ihm – das macht ihn zu einem bedeutsamen Beispiel eines religiösen Menschen.

Montag, 12. März 2007

Teil III - Abschnitt 15 - Besessenheit oder Verbundenheit

Buber setzt sich zunächst beispielhaft mit der Behauptung auseinander, jeder Mensch glaube entweder an Gott oder Götzen.

Wenn ich das richtig erinnere, gibt es weiterhin keine Definition von Gott (die ewige Verbundenheit, das ewige Du). Entsprechend nähert sich dieser Abschnitt wieder von einer anderen Seite an: Was ist Glauben, und hier speziell: kann es Götzenglauben geben ?

Buber widerspricht vehement und erklärt Besessenheit und Besitzen stünden auf der einen Seite (der des ES), während Verbundenheit auf der anderen Seite stünde. Der Glaube sei Verbundenheit. Besessenheit bzw. Besitzen von Götzen könne aber nicht „alternativ“ durch Verbundenheit ersetzt werden. Dabei stünde nämlich nicht der Wechsel eines Objekts gegen das andere zur Disposition. Es geht nicht um die Änderung des Ziels, sondern die Änderung der Bewegungsart.

Vielleicht hinkt dieses Bild, denn Bewegungsarten, wie gehen, springen, fahren, fliegen können einander doch ersetzen. Ich glaube, es geht eher um die Änderung des Lebensmodus, etwa so radikal wie von anaerob zu aerob. Sicher kann man beide Lebensweisen als Leben bezeichnen. Beide eröffnen auch Möglichkeiten je eigener Art, sie sind aber wirklich nicht austauschbar.

Vergötzt werden die endlich Güter, meint Buber am Rande – ein Hinweis für die Nachhaltigkeitsdebatte. Und er deutet an, dass das Du inter der Es-Welt immer wieder durchscheint. Ich glaube also, es ist vielleicht nicht nur die Umkehr, sondern vielleicht auch gerade die Endlichkeit der Götzen, die doch zum Durchbruch zu nachhaltigeren Ressourcen, zu Gott, zum Du verhelfen kann: statt Umkehr der Durchbruch. Eine optimistische Anmerkung zur Zeit ?

Natürlich bedeutet es nichts, welchen Namen der Besessene anruft. Insofern ist es auch eine zutiefst menschliche Kategorie von Lästerung zu sprechen, wenn der Name dann der (einer der ?) Gottes ist. Wahrscheinlich wäre danach doch die meiste Rede von Gott Lästerung. Diese Reden ändern jedoch nichts an der Qualität Gottes und unserer Verbundenheit bzw. unserem Mangel.

Schließlich Geld, „das leibhafte Unwesen,“ also wohl die Unverbundenheit schlechthin, als die Vergegenständlichung des Besitzens und des Es. Buber sagt ja an anderer Stelle, es sei im Grunde nichts gegen das ES einzuwenden, es habe nur allzu weit das DU verdrängt. Eine Assoziation von mir zum Thema Geld an dieser Stelle: Geld ist vielleicht eher aufgeschobenes Leben, eingefrorenes Wesen und Wirken. Es kann aus einem Überfluss entstehen (ich brauche gerade nicht soviel Leben und Wirken, ich werde es später wirken lassen), oder einer Kargheit (es soll jetzt und hier nicht wirken, vielleicht gar nicht). Es darf aber keinen Dauerzustand im Eis geben: Geld sollte also schnellstens in neue Wirkkreise zurückgeführt werden. Geld ist zur Vereinfachung des Ringtauschs entstanden – da sollte es auch bleiben oder zurückkehren.

Montag, 8. Mai 2006

Weihnachten ist ja nun ein paar Tage vorbei

und wir werden neue Formen der persönlichen Begegnung ausprobieren bzw. intensivieren.

Sollen wir nicht aber doch vielleicht den Rest des Buches gemeinsam lesen ?

Montag, 19. Dezember 2005

Teil III, Abschnitt 14 – die zwei Arten der Einsamkeit

Kann der Verkehr mit sich selbst zu einem verkehr mit dem Geheimnis führen ? Buber könnte, nach dem gesagten, sicher sofort aufschreien: niemals. Dafür ist das Thema aber zu ernst und ist es zu offenkundig, dass wohl jeder auch schon gute "Erfahrungen" im Alleinsein hatte. Das wiedreum hat das Buch bislang auch noch nirgends ausgeschlossen.

Beziehung ist erst möglich, so Buber, wenn wir uns vom (erfahrenden, gebrauchenden) Umgang mit den Dingen lösen. Wenn das also Einsamkeit bedeutet, oder in diese Richtung führt, so ist diese nötig. Wenn sie Reinigung für den Eintritts ins Allerheiligste bedeutet - oder einfach für Beziehung, so ist sie nötig. Wer aber Beziehungen (im hier gemeinten Sinne) aufkündigt, die anderen verläßt, und das als wertvolle Einsamkeit sieht, kann an kein Geheimnis heranreichen: er ist unverbunden. Wer sich in Selbstbezogenheit feiert und meint, Gott in sich zu haben, entdeckt das gleiche "Geheimnis," wie wenn er lang genug in den Spiegel schaut - allenfalls die Eigenschaften des Spiegels. Nach Buber wohnt Gott in uns und umfaßt uns auch gleichzeitig - aber wir haben ihn nie in uns. Ein feiner - aber sehr zentraler Unterschied.

Der Verbundene bringt Gottes Wirklichkeit eine menschliche entgegen. Und das ist unsere Aufgabe - das ist das Geheimnis, in dem die Begegnung stattfindet. Und auch diese "Einsamkeit" ist nötig: Wir reden mit ihm nur, wenn es in uns nicht mehr redet. Ich würde hinzufügen: wir hören ihn nur, wenn es in uns nicht mehr redet. Aber dieses Hören ist auch die Voraussetzung des Redens in der Beziehung, von dem Buber unablässig spricht.

Mittwoch, 30. November 2005

Oh, das Seminar

Ich hab den Eindruck, wir sollten hier auch noch mal auf das Buber Seminar hinweisen, das vom 27.-29.01. in Pyrmont stattfinden soll. Begeisterte Mitleser können, ja, sollten sich sogleich noch bei
der Anmeldung anmelden.

Mittwoch, 2. November 2005

Teil III, Abschnitt 13 – Die Redlichkeit der Widerrede

Teil III, Abschnitt 13 – Die Redlichkeit der Widerrede
Die Sprache ist das Verbindende zwischen uns Menschen, sagt Buber. Aber nicht so, wie das vielleicht banal verstanden werden könnte, sondern verbunden werden die Beziehungsmomente durch die Sprache. Die Beziehungsmomente sind für sich zunächst nur punktuelle Ereignisse, könnten unverbunden da stehen. Die Sprache gehört zwingend zur Es-Welt und ist als solche nicht Teil der Beziehungsmomente. Die Sprache ist jedoch geeignet, von einem Beziehungsmoment zum nächsten zu tragen, von einem soviel hinüber zu tragen, dass der nächste schon vorbereitet wird. Ja, die Beziehungsmomente sind eingetaucht in die Sprache – was ganz und gar nicht bedeutet, dass sie angefüllt wären mit viel Gerede, sondern dass gerade um sie herum das Gespräch liegt – aus Rede und Gegenrede in Redlichkeit und Präsenz.
In Gottes Antwort offenbart sich das All als Sprache – und noch ein paar Sätze, die intensiv zu glücklicher Resonanz aufrufen – ich bin gespannt, was von Euch kommt !

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Teil III Abschnitt 12 – Beziehung und Sprache

Kosmos, Eros und Logos als Bezeichnungen für die Es-Welten, die jeweils der Beziehungswelt mit der Natur, den Menschen und den geistigen Wesenheiten gegenüberstehen. Ohne die ewige Beziehung sind diese Beziehungen nicht vorstellbar. Interessant, dass Buber wieder zu den „Sphären“ zurückkehrt, also die Beziehungen zu Natur, Menschen und geistigen Wesenheiten scharf von einander trennt. Spannend, dass er das genau und ausschließlich an der Sprache fest macht:
- mit der Natur haftet die Beziehung an der Schelle der Sprache. Wort haben (noch) keine Bedeutung, obgleich es nahe liegt nach Worten zu suchen und sie auch zu verwenden;
- mit den Menschen wird die Beziehung sprachgestaltig, Sprache wird also so wichtig, dass sie die Beziehung prägt, die Beziehung schon die Gestalt der Sprache annimmt, also wesentlich von ihr geprägt wird und sich über sie ausdrückt;
- mit den geistigen Wesenheiten ist die Beziehung sprachlos, nicht etwa spielt Sprache dort keine Rolle mehr, sondern in dieser Beziehung ist Sprache überhaupt nicht da. Aber diese Beziehung wird sprachzeugend. Es entsteht aus ihr der Drang sich auszudrücken, Sprache zu schöpfen und zu benutzen – aber nicht „in“ dieser Beziehung, sondern aus ihr heraus – also insbesondere in der Beziehung mit einem Menschen oder wohl auch in der Eswelt.

Die Wie auch immer das Verhältnis zur Sprache in den einzelnen Beziehungssphären ist, es ist Pforte in die Präsenz des Wortes. Ansprache ? Zwiesprache ?! Jedenfalls Gegenwärtigkeit, in der das Wort zum Urgrund weist. Nebenbei noch ein schönes Beispiel für den Unterscheid zwischen Stummheit und Schweigen, in deren Mitte sozusagen das liebende Sprechen des Menschen liegt.

Es sind wohl nicht so sehr die Linien der Beziehungen zu unterschiedlichen Menschen, die sich im ewigen Du treffen, es sind wohl die Linien der Beziehungen in den genannten drei unterschiedlichen Sphären, die sich dort treffen. Das erklärt mir, warum sie nicht parallel in die gleich Richtung weisen. Außerdem weist es darauf, dass das ewige Du nicht allein über die Verfolgung der Beziehungswelt einer Sphäre zu finden ist. Zumindest läßt es sich leichter ausmachen, wenn aus allen drei Spähren Linien nach „hinten“ weisen.

Schließlich: Der Mensch kann jede Beziehung der Gegenwart entheben. Ist sie nicht mehr gegenwärtig, wirksam oder wirklich, befinden wir uns wieder in der Eswelt. Aber das ist eine Fähigkeit, ein nach den vorangegangenen Abschnitten wichtiges Potential des Menschen (das ihn wohl vom Rest der Schöpfung unterscheidet).

Mittwoch, 5. Oktober 2005

Teil III Abschnitt 11 – Die Privilegien der reinen Beziehung

Hier geht es also um die besonderen Gesetzmäßigkeiten der Beziehung mit Gott. In ihnen sind die Gesetzmäßigkeiten der Eswelt aufgehoben – was heißt das ?
Was die Gesetzmäßigkeiten der reinen Beziehung sind lesen wir zunächst nicht. Eine der Folgen dieser Gesetzmäßigkeiten der reinen Beziehung soll aber das Kontinuum der Du-Welt sein. Eine Ich-Du-Beziehung fließt hier ein als isolierter Moment der Beziehung. Als Folge der Gesetzmäßigkeiten der reinen Beziehung wird sie Teil eines Kontinuums der Duwelt, des Weltlebens der Verbundenheit. Die Mitte, in der sich die verlängerten Linien der Ich-Du-Beziehungen schneiden ist das ewige Du. In dieser Mitte hat die Duwelt ihren Zusammenhang: das Bild wird offensichtlich. Hier in diesem Fokuspunkt liegt wohl auch das Kontinuum. Ich glaube, die Linien bilden eigentlich nicht einen Schnittpunkt, denn sie vereinigen sich hier, treffen sich, gehen aber dahinter nicht wieder auseinander: es gibt kein dahinter, es gibt zumindest nicht so etwas wie davor auch dahinter. Aber wo die Linien sich treffen, das ist auch etwas anderes als ein Punkt: es ist auch mehr als ein Raum. Es ist alles – und ein Kontinuum.
Außerdem liegt hier der „Dreh- und Angelpunkt“ (pivot). Kraft der Gesetzmäßigkeiten der reinen Beziehung, also aus diesem Kontinuum, in dem sich die Linien treffen, kann der Geist die Eswelt gestalten. Entsteht hier eine Hierarchie der Du- und Eswelt? Ja, wenn die Eswelt nicht die Duwelt durchdringt und verwandelt. Und so ist es wohl: die Duwelt hat die Eswelt als Grundlage, kann ohne sie nicht existieren, aber die Schöpfungskraft liegt nicht in der Eswelt. Jedenfalls sehen wir hier, in dem was Buber beschreibt, einen Kraftquell für uns, die wir in der Eswelt wirken. Wir werden von dort aus gehalten und können Kraft schöpfen.
Umkehr als das Wiedererkennen der Mitte. Auf ein Wiedersehen. So habe ich auch schon Beziehung erlebt: als das unendliche Sehen, das irgendwann zu Ende geht und zum Wunsch des Wiedersehens führt. Die Wesenstat dieser Umkehr ist wohl eine des Menschen, gehört aber wohl auch zu den Gesetzmäßigkeiten der reinen Beziehung. Aus diesem Kontinuum aller Ich-Du-Beziehungen entsteht eine Welle, erhebt sich aus dem Fluss und schafft in unserer Welt alles immer wieder neu.
Und die Eswelt ist nicht allein als quasi tote Grundlage nötig. Sie gehört als eine Seite der Polarität dazu – eben als Objekt, ohne das das Subjekt kein Subjekt wäre, nicht wirken und noch noch nicht einmal existieren könnte. Sind wir nicht auch Teil der Eswelt? Es sind nicht wir, die zwischen Du- und Eswelt hin- und herwandern, sondern etwas über uns hinaus: die Beziehungs-, die Schöpfungskraft, der Geist, Fokus. Besser beschreibt es Buber im Bild der kontinuierlichen Zu- und Abwendung. Das Meer kommt und zieht sich wieder zurück. Werden und Sein, Entlassen und Bewahren, Freigabe und Bindung – nicht Gegenteil, sondern sich gegenseitig bedingend. Das ist noch einfach und verständlich (unser Wissen um die Zwiefalt) – das dahinter, das Urgeheimnis kennen wir nicht, davon haben wir nicht mal eine Ahnung.

Dienstag, 4. Oktober 2005

Teil III Abschnitt 10

Was bedeutet, dass jede wirkliche Beziehung in der Welt ausschließlich sei ? Das zeigt sich in der Gegenüberstellung mit der Beziehung zu Gott (war zuvor schon ausdrücklich von der „Beziehung zu Gott“ die Rede ?): Beziehung zu Gott ist gleichzeitig einschließlich und ausschließlich. Hingegen gibt es bei den „Beziehungen in der Welt“ immer noch „das Andere,“ grundsätzlich gleichwertige, wenn auch nicht gleichartige, jedenfalls aber in der wirklichen Beziehung nicht enthaltene. Buber verweist wieder auf das „richtige Leben.“ Keine Theorie oder wie es sein sollte, sondern so, wie es „wirklich ist.“ Andererseits schwingt wie immer auch das „Wirken“ mit – im Gegensatz zu dem also, was nicht wirkt. „Beziehung“ wirkt aber doch per definitionem – was meint er also ?
Sollen wir uns daran stören, dass Buber dem Wortlaut nach die eigentliche Abgrenzung zwischen „in der Welt“ und „mit Gott“ ansiedelt ? Die Auflösung liegt wohl darin, dass in der Beziehung zu Gott „das All begriffen ist,“ während die Beziehung zum Gegenüber nur das All des Gegenübers begreift – sie oder ihn in ihrer Ganzheit.
„Aber in der vollkommenen Beziehung“ – da ist wohl wieder von der Beziehung zu Gott die Rede. Nicht etwa mein Ich umfaßt da mein Selbst – es ist mein Du, das es umfaßt. Wenn mein Du auch hier mein Gegenüber ist und Ich und Selbst nicht gegensätzlich oder auch nur weit auseinander sind, ist das wohl kein Wunder. Was ist aber hier „mein Du“ ?
Viele Fragen an diesen Abschnitt

Sonntag, 4. September 2005

Teil III Abschnitt 9 – Bubers Katze

Katzen sind schon was besonderes. Haustiere bringen aber auch die Gefahr mit sich mehr Menschliches in sie hineinzutun, als tatsächlich in ihnen ist. Ich werde also diese Beschreibung des Ich und Du einer echten Katzenfreunde überlassen müssen. Meine Beziehung zum Haustier ist dadurch geprägt, dass es wirklich Tier sein darf und ab und zu auch ins Haus, während ich der Mensch bin. Und dann können wir uns mit einem gewissen Maß an Respekt begegnen. Und es stimmt, dass wir uns Haustieren und ihrem Lebensausdruck naturgemäß eher nähern können, als anderen Lebewesen. Bäume halten zwar wenigstens still, wenn man mit ihnen spricht, aber dafür zwinkern sie nicht unbedingt mit den Augen, wenn man etwas zu ihnen sagt, anders als Katzen oder Pferde, eher ähnlich den Ameisen, die ich auch noch nicht zwinkern sehen konnte. Und dennoch kann ich eine Haltung zumindest zur Existenz der Ameise finden – eine Ich-Du Beziehung ist das wahrscheinlich nicht, selbst wenn sie auf mir rumturnt.

Der Rest des Abschnitts nimmt einen neuen Ansatz, die allumfassende Beziehung in Worte zu fassen. Wir sind nicht immer da. Wir sind also die beschränkten, denen vor allem die Sinne fehlen – und vor allem das, was man nicht richtig verstehen kann, kann man auch nicht beschreiben. Dante in seiner Beschreibung seiner Sehnsucht für Beatrix hat für viele Mystiker das Idealbild der Gottessehnsucht geprägt. Ich bin sehr skeptisch, was die Sehnsucht anbelangt, weil Sehnsucht allzu leicht Beziehung ersetzt, Droge als Surrogat für Realität. Wenn ich das richtig verstehe, ist Ella die höfliche, neutrale Anrede in der 3. Person Singular, während das Voi dem englischen You entspricht, als für heutige Verhältnisse auch noch Distanz erkennen läßt, aber vergleichsweise locker. Dem Ella entspricht das Er und Es. Auch in der Sehnsucht kann ich also Er, Sie oder Es sagen. Allegorie („das eine für das andere sagen“), der Ausdruck mittels Platzhalter ist da mehr als angemessen – wenn nur Beziehung möglch oder sogar da ist. Aus einer Richtung kommt sie ja ohnehin, also ist Beziehung hier, an dieser „allumfassenden Stelle“ nach Buber immer da. Wenn wir dann auch noch Du sagen, dann ändert das an Gott ebensowenig, wie wenn wir Er, Sie oder Es sagen (schon erstaunlich, dass Buber das Sie nicht erwähnt). Die Wahrheit ist gewortet, wie – von sterblichem Sinn. Hm, wir haben einen uns möglichen Ausdruck für das, was ist gewählt. Ja ?

Samstag, 3. September 2005

Teil III – Abschnitt 8 (Buber ein Philosoph?)

Die religiöse Situation – das Dasein in der Präsenz. Auch hier wieder fällt es leichter, sich erst einmal über diesen Buberschen Hinweis zu freuen: Die religiöse Situation, das ist das Dasein in der Präsenz. Ja !
So, und nun, wodurch ist die gekennzeichnet ? Sie bzw. das Dasein in der präsenz ist durch eine Widersprüchlichkeit (so verstehe ich jedenfalls Antinomik), gekennzeichnet, die unauflösbar ist.
Wenn Buber dann weiter von „der These“ spricht, meint er nicht die soeben aufgestellte These über die religiöse Situation, sondern er meint, so wie ich es verstehe, jeden Satz (=These) über Gott und über das Dasein in der Präsenz.
Wer also einen Satz selbst sagt oder als richtig akzeptiert und die Gegenthese (einen gegenteilig oder anders lautenden Satz zum gleichen Thema) verwirft, wirkt gegen die geistige Grundlage, den Sinn der Situation. Dass er ihn dabei zerstört, ist eher unwahrscheinlich – aber er beschädigt sich selbst in der Situation. Wer allerdings eine Synthese zu denken versucht, der zerstöre nun wirklich den Sinn. Das liegt wohl daran, dass These und Antithese nicht künstlich sind, sondern noch aus der Beziehung mit dem ewigen Du stammen – die Synthese ist aber strukturell reine Ich-Es-Situation. Hingegen könnte der Inhalt den die Synthese hat auch etwas sagbares, nicht sinnwidriges enthalten – zu dem es dann auch eine Antithese geben mag – aber eben nicht unter dieser Voraussetzung ihres Zustandekommens.

„Der Sinn der Situation ist …“ – ich habe den Eindruck, dass wir hier einen sehr wichtigen Satz über Buber lesen, ein Selbstzeugnis seines Ringens (Jakob am Jabbok?).

Dann versucht Buber zu erklären, warum das keine Philosophie sei, wovon er spricht und wie er „arbeitet“ bzw. lebt. Die Philosophie versucht die Welt besser und besser zu verstehen – meine ich jedenfalls. Ich glaube, jeder der Aussagen über die Welt macht, wie sie ist, muss sich an dem messen lassen, was die Philosophie schon erreicht hat. Buber aber verweist auf die Ich-Es-Welt und dass daher einige Gesetze der Philosophie für ihn nicht akzeptabel sind bzw. dass er über andere, bessere Erkenntnisquellen verfügt, als die herkömmliche Philosophie. Eine ähnliche Position nimmt er in diesem Abschnitt wohl auch gegenüber der Theologie ein: er hat einfach selbst bessere Erkenntnisquellen, als Jahrhunderte der Dogmatik entwickeln konnten. Offensichtlich sehr problematisch – etwa für den Pabst.

Es gibt nur eine Welt in der wir dieses eine Leben leben und wir können uns nicht helfen, indem wir es in verschiedene Wirklichkeiten aufspalten. Insbesondere darf nicht das, was in der einen von geschaffenen, künstlichen Wirklichkeiten gilt, in der anderen nicht gelten – vor allem nicht „im wirklichen Leben.“ Sätze, die sogleich wieder an Fragen der Moral (was tun, wie richtig leben) erinnern. Es kommt auf mich an – wirklich auf mich – und zwar hier und heute. Kein Abschnitt zu einfach überlesen.

Mittwoch, 17. August 2005

Teil III, Abschnitt 7

Eigentlich ist dieser Abschnitt viel zu umfangreich und inhaltsschwer, um sich hier in so knapper Form darüber austauschen zu können. Kommt vielleicht auch daher die Pause seit III.6?

Im ersten Teil unternimmt es Buber, über die christliche „Versenkungslehre“, die mystische Erfahrung, zu reflektieren. Doch die mystische Erfahrung hat sich immer der Beschreibung, der Vermittlung und vor allem der Analyse verweigert. Buber versucht es dennoch. So bleibt für mich dieser Teil blaß. Sein Reden ist genau jene „Rätselwebe“, die er just der Mystik vorwirft: „Aber größer als alle Rätselwebe an Rande des Seins ist uns die zentrale Wirklichkeit der alltäglichen Erdenstunde, mit einem Streifen Sonne auf einem Ahornzweig und der Ahnung des ewigen Du.“ – Das ist zwar sehr schön gesagt, aber ich habe meine Zweifel, ob er hier nicht die Wirklichkeit der mystischen Erfahrung unterschätzt. Diese hat immer in die Welt hineingeführt, nicht aus ihr heraus! Aber das scheint er nicht so zu sehen. So bleibt mir sein Bild einer weltfernen abendländischen „Versenkungslehre“ suspekt.

Weiter unten im Abschnitt, im Zwiegespräch mit Buddha, bewegt er sich deutlich sicherer. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, daß er, obwohl er oben diffus-unorientiert in der christlichen Mystik begann, nun doch sehr zielsicher voranstrebt. Seine behutsamen Überlegungen zum Buddhismus und besonders zum Rad der Wiedergeburten resonieren sehr in mir.

Immer wieder spannende Aussagen in einer kraftvollen Sprache:

„Dem unschiedlichen Geheimnis unschiedlich gegenüberstehen ist die Urbedingung des Heils.“ (Was „die Urbedingung des Heils“ ist, gehört wohl nicht zu dem Wissen, das Menschen zugemessen ist. Ich wäre hier vorsichtiger!)

„Nur wer an die Welt glaubt, bekommt es mit ihr selbst zu tun; und gibt er sich dran, kann er auch nicht gottlos bleiben. Lieben wir die wirkliche, die sich nie aufheben lassen will, nur wirklich in all ihrem Grauen, wagen wir es nur, die Arme unseres Geistes um sie zu legen: und unsre Hände begegnen den Händen, die sie halten.“

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